Braucht es Umweltschutz?

Ich bin Mitte der 70er Jahre geboren, aufgewachsen auf einem Bauernhof, in einer Zeit, als Speisen aus Konservendosen und Tupperware ihre Glanzjahre feierten. Meine Grossmutter, geprägt vom zweiten Weltkrieg, lebte derweil sparsam und umweltschonend. Plastikbeutel wurden ausgewaschen, zum Trocknen aufgehängt und wieder verwendet. Die Kaffeemaschine wurde nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und unter einer Stoffhaube verstaut. Kleider hat sie geflickt, Abtrocktücher benützt, bis sie dünn waren wie Zeitungen. Und Jogurt Becher hat sie ausgewaschen und zum Entsorgen ineinander gestapelt. Während wir noch alles in eine Abfalltüte gesteckt haben, hat sie alles fein säuberlich getrennt und zum Einkaufen eine Stofftüte mitgenommen.

 

Die Jahre zogen dahin, ich wurde Erwachsen, bereit die Welt zu entdeckten. Jedes Jahr verbrachte ich irgendwo Badeferien oder eine Städtereise. Eine grössere Reise führte in die USA nach Los Angeles, weiter nach Alaska und via Kanada zurück in die Schweiz. Alles mit dem Flieger versteht sich. Irgendwann kaufte ich mir sogar ein Motorrad und erkundete damit einige Jahre den ganzen Schweizer Alpenraum. Kein Alpenpass, den ich nicht überquert habe.

 

Mitte Dreissig habe ich geheiratet und meine Kinder bekommen. Von da an reisten wir mit dem Auto auf die verschiedensten Campingplätze im In- und Ausland. Geflogen sind wir mit den Kindern noch nie. Aber nicht aus Umweltgründen. Wir hatten lange Zeit von einem VW Camper geträumt und uns schliesslich einen geleistet. Wir haben ihn ausgebaut und seither viele schöne Momente damit erlebt. Als wir im Frühjahr 2015 nach Korsika reisten, stellte ich erschrocken fest, wieviel Plastik im Mittelmeer schwimmt. Ich suchte im World Wide Web nach Informationen. Nach und nach wurde mir bewusst, welch verheerende Folgen unser Konsumverhalten auf die Umwelt hat und wie viele Dinge ich in meinem bisherigen Leben zu Lasten der Erde konsumiert habe. Ein Gefühl von Ohnmacht überkam mich. Und die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. ICH musste und wollte etwas an unserem Lebensstil ändern. Mehr als 70% der Ressourcen für unsere Konsumgüter fallen im Ausland an. Würde die ganze Welt so leben wie Deutsche oder Schweizer, bräuchte es jährlich die Ressourcen von drei Erden. Wir haben aber nur eine. 

 

Damals habe ich mein Label BiOeko ins Leben gerufen, mit der Idee, mit farbenfrohen Mehrwegprodukten meine Mitmenschen zu einem nachhaltigeren Lebensstil anzuregen. Ich hatte einige Durchhänger die letzten vier Jahre. Die Vielzahl an Informationen über zerstörte Ökosysteme und die Klimatischen Veränderungen, waren wenig erbaulich. Aber ich habe mich immer wieder aufgerafft weiter zu machen, wenn auch oft nur im Bestreben, wenigstens mein eigenes Leben umweltschonender zu gestalten. Die grösste Nüchternheit und Motivation ist allerdings die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, Klimawandel und Umweltkatastrophen seien Fake News.

 

Ich versuche mit diesem Beitrag aufzuzeigen, wie unser Konsum die Welt im Negativen verändert, aber auch, welche Möglichkeiten wir haben, nachhaltiger zu Leben.

 

In welcher Form belastet mein Konsum die Umwelt?

Ausstoss von Treibhausgasen durch Fortbewegung und Reisen

In unserem täglichen Leben, sei es beim Arbeiten oder in der Freizeit, produzieren wir überschüssige Treibhaushase. Besonders Flugreisen und Kreuzfahrten belasten das Klima übermässig mit CO2. Die Folge davon ist eine Erwärmung des Klimas, was wiederum Auswirkungen auf die Umwelt hat. 

Autofahren

flugreisen

kreuzfahrten


Folgen der Klimaerwärmung

  • Abschmelzung des Meereseises, Folge daraus Aussterben von Arten wie Eisbären
  • Anstieg des Meeresspiegels, Folge daraus verschwindende Inselparadiese und Landverlust
  • Gletscherschmelze, Folge davon Zunahme von Schmelzwasser - Überschwemmungen
  • Verringerung des Permafrostes - Folge davon Felsstürze und zusätzliche Klimaerwärmung
  • Erwärmung der Luft, Folge davon Dürre und Trockenheit
  • Zunahme der Luftfeuchtigkeit, Folge davon Wirbelstürme, mehr Gewitter, Überschwemmungen
  • Wetterextreme wie Hitze- und Niederschlagszunahmen
  • Ein Teil der Wärme wird von den Ozeanen aufgenommen, welche dadurch übersäuern, Folge davon Fischsterben

 


Umweltbelastung durch Konsum von Gütern

Viele Konsumgüter des täglichen Bedarfs belasten die Umwelt übermässig, ohne dass wir genaue Kenntnisse darüber haben. Wenn wir aber hinterfragen, wie und wo die Produkte hergestellt werden, können wir bewusst darüber entscheiden, ob wir diese Produkte weiterhin noch kaufen.  

Woher stammen meine Konsumgüter?

Mit der Frage WOHER stammen meine Konsumgüter, können wir eruieren, ob diese einen kurzen oder langen Transportweg hinter sich haben, sprich, ob deren Transport viel oder wenig CO2 umgesetzt haben, bis sie bei uns zu Hause waren.

Wie wurden meine Konsumgüter hergestellt?

Mit der Frage WIE (unter welchen Bedingungen) wurden meine Konsumgüter hergestellt, können wir erahnen, wie stark deren Produktion die Umwelt belastet.

  • Wurden Pestizide eingesetzt?
  • Mussten Menschen unter unwürdigen Bedingungen dafür arbeiten?
  • Wurde Kulturland dafür zerstört?

Einige Beispiele

 

Palmöl

Befindet sich in fast allen industriell hergestellten Lebensmitteln, sowie in Dusch- und Kosmetikartikeln. Für den Anbau von Palmöl wird Regenwald gerodet, somit CO2 freigesetzt, Kulturland zerstört und das Artensterben vorangetrieben.

 

Gemüse und Früchte aus Trockengebieten wie Südspanien, Marokko ect.

Südspanien ist eine Wüste. Es gibt wenig Wasser. Trotzdem werden dort unter erbärmlichen Bedingungen Gemüse und Früchte für uns Nordeuropäer angebaut. Hier kannst du mehr darüber erfahren.

 

Textilien

Die meisten unserer Textilien werden in Asien hergestellt, meist unter unwürdigen Bedingungen und mit stark belastetem Abwasser. 

 

Mineralwasser in Petflaschen

Ein Grossteil von Mineralwasser wird von der Firma Nestlé unter verschiedenen Markennamen abgepumpt, abgefüllt und verkauft. Viele dieser abgezapften Quellen berauben die Einheimischen im nahen und fernen Ausland ihres Trink- und Grundwassers. Vitel oder Pure Life sind nur zwei davon. Diesbezüglich lohnt es sich den Film "Bottled Life" zu schauen.

 

Pestizide und Methangass

Die intensive Landwirtschaft verursacht mitunter einen Grossteil des CO2 Ausstosses und zerstört mit übermässigem Einsatz von Pestiziden unsere Ökosysteme. Die Pestizide vergiften Insekten und Gewässer, was wiederum ein Vogel- und Fischsterben hervorruft. Besonders betroffen sind Bienen, welche wichtig für die Bestäubung von Blüten sind. Würden Bienen komplett aussterben, ginge ein Grossteil unseres Speiseplanes verloren. Schaut euch unbedingt den Film "More than Honey" an.

Rindtiere stossen eine grosse Menge Methangass aus, ebenfalls ein Treibhausgas. In der Zucht verbrauchen sie eine grosse Menge an Wasser. Zum einen als Trinkwasser, zum anderen beim Futter.

     

Welche Inhalte haben meine Konsumgüter?

Auch der INHALT unserer gekauften Produkte gibt Aufschluss ob und wie stark sie die Umwelt belasten. Ein besonderes Augenmerk gilt Fertig- und Halbfertigprodukten, sowie Kosmetika und Putzmittel. Einige Beispiele:

 

Mikroplastik

Befindet sich in vielen Kosmetikartikeln, sowie in Kleidern aus Kunstfaser. Mikroplastik kann von Kläranlagen nicht herausgefiltert werden und gelangt weiter ins Meer, wo die kleinen Partikel von Fischen gegessen werden und später vielleicht auf unserem Speiseteller landen.

 

Palmöl

Befindet sich in fast allen industriell hergestellten Lebensmitteln, sowie in Dusch- und Kosmetikartikeln. Für den Anbau von Palmöl wird Regenwald gerodet, somit CO2 freigesetzt, Kulturland zerstört und das Artensterben vorangetrieben.

 

Pestizide

Beim Anbau von konventionellen Gemüsen und Früchten (nicht Bio) wird eine grosse Menge an Pestiziden eingesetzt, welche die Umwelt und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Besonders Insekten, als weitere Folge davon die Vögel und Fische durch verunreinigte Gewässer sterben an den Folgen daran. 


Torf

Für den Gartenbau gibt es Saatbecher und Erde mit Torf. Für den Torfabbau werden Feuchtgebiete, wie Moore, trocken gelegt und damit wertvolle Ökosysteme zerstört. Als Alternative kann man Saatbecher aus Altpapier rollen. Bei der Erde auf Torffreie Sorten ausweichen.

         

Umweltbelastung durch Müll und Einwegprodukte

 

Wenn wir Produkte kaufen, müssen sie irgendwann auch wieder entsorgt werden. Die Müllverbrennung wiederum verursacht eine grosse Menge an CO2. Besonders gross ist der Anteil an Einwegplastik, der aus raffiniertem Öl hergestellt wird, meist für einen kurzen Moment benutzt wird und dann wieder verbrannt wird. Auch wenn ein Teil wiederverwertet wird, ist er dennoch auf der Welt und muss irgendwann wieder verbrannt werden. Ein Grossteil von Plastik landet im Meer und zerstört die Natur. Naturparadiese, Fische und Säugetiere wie Wale und Delphine sind vom Aussterben bedroht. 

Welche weiteren Folgen haben die Umweltbelastungen?

Gesundheitliche Probleme

In den Herstellungsländern im fernen Ausland

  • Unterernährung durch Dürre und Armut
  • Krankheiten durch Vergiftung
  • Wasserknappheit

In den Industrieländern (bei den Verursachern)

  • Herz- Kreislaufprobleme durch Hitze
  • Antibiotika Resistenz
  • Vermehrung bakterieller Erreger (Ausbreitung der Tigermücke)

Wirtschaftliche Probleme

  • Ökosysteme und wertvolle Sehenswürdigkeiten wie die Unterwasserwelt gehen verloren
  • weniger Schneesichere Skigebiete
  • Untergehende Inselparadiese
  • Badeorte sind vermüllt oder werden wegen Hitze unerträglich

Wie kann ich die Umwelt entlasten?

Einen umfassenden Artikel wie man mit vielen kleinen Schritten die Umwelt schonen kann, könnt ihr hier nachlesen. Dennoch liste ich die wichtigsten Punkte gerne hier auf.
  • Lokal und Regional einkaufen
  • Fair und Bio statt Billig
  • Fleischkonsum reduzieren
  • Milchprodukt-Konsum reduzieren
  • Nur so viele Lebensmittel kaufen, wie wir wirklich verbrauchen können
  • Keine Lebensmittel wegwerfen
  • Produkte ohne Palmöl kaufen
  • Wenn möglich Verpackungsfrei einkaufen
  • Hinterfragen: Brauche ich den Gegenstand, wie kann ich ihn später wieder entsorgen
  • Qualitativ hochwertige Produkte halten oftmals länger
  • Produkte wieder verwenden, verschenken oder ausleihen
  • Produkte reparieren statt wegwerfen
  • Auf Wegwerfartikel verzichten
  • Seife statt Duschgel (Kein Mikroplastik, keine Verpackung)
  • Naturkosmetik ohne balastende Stoffe verwenden
  • Biologisch abbaubare Reinigunsmittel benützen (oder selber machen)
  • Abfall vermeiden mit Mehrwegprodukten
  • Frischhalte-Hüllen oder Bienenwachstücher statt Alufolie und Cellophan
  • Glasflaschen statt Petflaschen
  • Stoffbinden oder Menstruationstassen statt Einwegbinden und Tampons
  • Holzartikel statt Plastik
  • Wenn möglich zu Fuss, mit Bus oder Bahn bewegen/reisen

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