Viele kleine Schritte ...

Als ich vor zwei Jahren beschloss mein Leben möglichst Plastikfrei zu gestalten, war mir nicht klar, wieviel Plastik es tatsächlich in unserem Leben und unserem Haushalt gibt. Angetrieben von der Idee mit meinen BiOeko Produkten möglichst viele Leute für das Thema zu sensibilisieren, wurde mir nach und nach bewusst, in was für einer Plastikwelt wir doch leben. Es machte mich manchmal fast ohnmächtig!Angefangen in der Küche, über die Spielsachen der Kinder bis hin zum Badezimmer. Das Badezimmer war denn auch die grösste Hürde für mich. Jedes mal wenn ich den Schrank aufmachte, überkam mich die Sintflut von Plastikflaschen und mit ihr auch das Bewusstsein, dass sogar in einigen meiner Kosmetikprodukte (Mikro)Plastik drin ist. So stellte ich zuerst alle meine Produkte auf Naturlinien um, aber das Problem mit den Plastikflaschen war noch immer nicht gelöst. Es war zum Verrückt werden! Auch das Lesen vieler toller Beiträge auf dem Seiten von Utopia und Smarticular waren Anfangs keine grosse Hilfe, weil sie mir immer wieder vor Augen führten, wie viel in meinem Leben die letzten Jahre zu Lasten der Umwelt gelaufen ist. Aber genau das war mein Antrieb, für mich und meine Nachkommen das Beste zu geben. Es nützt nichts, wenn wir uns über Vergangenes aufregen. Viel Besser ist es zu versuchen, sein Leben stetig ein Stück nachhaltiger zu gestalten. Denn wie sagt man so schön, steter Tropfen höhlt den Stein. Und so habe ich Stück für Stück in Angriff genommen und nach sinnvollen Alternativen gesucht. Plastik gibt es bei uns immer noch. Von Znüniböxli über Legos findet sich noch ziemlich viel. Aber schlimmer als der Plastik fände ich es, jetzt alles weg zu schmeissen und damit eine Menge Abfall zu produzieren. Stattdessen funktioniere ich Dinge um und ersetze defekte Dinge mit nachhaltigen und vor allem langlebigen Produkten. Denn genau hier läuft in unserer Konsumwelt extrem viel falsch. Die meisten Produkte wie Haushaltartikel wurden die letzten Jahre immer billiger und kurzlebiger. Mein Toaster zum Beispiel ist über 20 Jahre alt. Und ich weiss jetzt schon, dass ein neuer maximal 5 Jahre halten würde, weil die Geräte so gebaut sind, dass die Reparatur meistens mehr kostet als ein neues Gerät. Darum habe ich zum Beispiel meine Teflon Bratpfanne mit einer etwas teureren Gusseisenpfanne ersetzt und diese hat 30 Jahre Garantie! Da rechnet sich der Preis allemal. So gibt es ganz viele Dinge, bei denen sich ein hochwertiges Produkt letztlich nicht nur für die Umwelt bezahlt macht, sondern auch fürs Portemonnaie.

Heute zeige ich mit ein paar Bildern, was sich bei uns alles verändert hat in den letzten zwei Jahren. Und ich bin überzeugt, es liegt noch mehr drin ;-)

Einkaufen

Anstatt Einweg Plastiksäcke für Gemüse und Früchte, benütze ich Einkaufsnetze. Wenn möglich gehe ich zu Fuss mit dem öffentlichen Bus oder mit dem Fahrrad. Mit dabei sind immer eine Einkaufstasche aus Stoff oder mein Trolley. Beim Einkaufen achte ich auf regionale, saisonale Produkte oder informiere mich woher die Lebensmittel kommen, respektive unter welchen Bedingungen sie angebaut werden. Ein besonderes Auge habe ich auf sogenannte Superfoods, welche meistens vom anderen Ende der Welt kommen und genauso gut durch lokale Produkte ersetzt werden können. Dass wir seit diesem Sommer in unserem Dorf jeden Samstag einen Frischmarkt haben, freut mich besonders. So weiss ich genau woher das Gemüse, der Käse, das Brot und die eingemachten Sachen kommen. Wer sein Gemüse ebenfalls frisch vom Markt kauft, weiss welches Geschmackerlebnis es ist, im Vergleich zu Gemüse eines Grossverteilers. ;-)


Küche und Haushalt

In der Küche hat sich gleich zu Anfang ziemlich viel verändert. Als erstes habe ich die Plastik-Abwaschbürsten durch Holz ersetzt. Später kaufte ich eine Butterdose aus Glas, anstatt Butter in Plastikschale. Schon bald nähte ich für Resten oder Hefeteige beschichtete Schutzhüllen und konnte somit komplett auf Alufolie und Cellophan verzichten. Wenn es im Winter leicht über dem Gefrierpunkt ist, kühle ich Lebensmittel auf dem Fenstersims. Als unsere Teflon-Bratpfanne ihre besten Tage gesehen hatte, wurde sie durch eine Gusseisen-Pfanne mit 30 Jahren Garantie ersetzt. Als die Kapsel-Kaffeemaschine ihr zeitliches segnete, ersetzte ich sie durch eine Maschine mit Bohnen. (Kein Kaffee wäre noch nachhaltiger, aber soweit bin ich noch nicht) Und vor kurzem habe ich schöne Stoffservietten genäht, um auf Papierservietten zu verzichten, wenn wir Gäste haben. Alles getreu dem Motto: Mehrweg statt Einweg.

 


Bad und Reinigung

Das Bad als persönlicher Knackpunkt... :-) Erstmal hatte ich mir ein Buch über Haushalt- und Pflegeprodukte und noch ein anderes über Plastikfreies Leben besorgt. Das erste was ich ersetzt habe, war mein Plastikrasierer von Gillette sowie den Rasierschaum in Alubüchse. Seit einem halben Jahr benutze ich einen Rasierhobel, Pinsel und Rasierseife. Als ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe, hatte ich echt schiss. Rasierhobel und Rasierklingen tönt so etwas von gefährlich, dass das Ding nach dem Kauf noch einige Woche wie ein Damoklesschwert im Bad rum lag. Irgendwann habe ich mich dann doch getraut. Und ihr glaubt es nicht, ich bin begeistert! Warum bin ich da nicht schon früher drauf gekommen. Ich finde die Rasur viel sanfter und vor allem viel anhaltender. Insbesondere die Bikinizone lässt da bestimmt nie mehr einen überteuerten Plastikrasierer ran. ;-) Ausserdem habe ich jetzt Haarbürsten und Zahnbürste aus Holz. Vor drei Monaten habe ich mich das erste Mal an selbst gemachtes Waschmittel gewagt. Auch davon bin ich total begeistert. Nicht nur vom Waschergebnis, sondern vor allem auch vom Preis. Ich habe mal ausgerechnet, dass 1.5 Liter selbst gemachtes Waschmittel etwas 0.30 Franken kostet. Ich darf gar nicht an all das Geld denken, dass wir für teures Waschmittel ausgegeben haben. ;-) Nachdem dann endlich meine letzte Flasche Duschgel aufgebraucht war (ich hatte davon unzählige Flaschen immer wieder geschenkt bekommen), wechselte ich auf Haar- und Duschseifen. Dafür nähte ich mir Seifensäckchen aus Netzstoff, um sie nach dem Duschen zu trocken. Aber auch zum Aufschäumen der Seife eignen sich diese super. Leichte Massage inklusive! Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Seifen gleich von Anfang so begeistern. Ich habe mir im Frühling welche auf dem Markt bei Zauberseifen gekauft und kann sie nur empfehlen.

 


Outdoor

Auch Outdoor hat sich einiges getan. Wenn ich unterwegs bin, ob beim Wandern, Reisen oder im Garten, habe ich immer meine Glasflasche mit Stoffhülle dabei. So kann ich getrost auf Pet- und Plastikflaschen verzichten. Bei den Kindern habe ich es noch nicht geschafft. Aber ich werde es mal mit einer Emil-Glasflasche versuchen. Wenn wir Picknick mitnehmen, verstaue ich alles in Stoffbeuteln. Solche benütze ich auch zu Hause als Brotsack. Auf dem Balkon haben wir einen kleinen BiO-Garten eingerichtet. Einige Sachen habe ich sogar selber gesät und freue mich somit doppelt an der Ernte. Und die Kinder sehen wie die Sachen wachsen und lernen, dass sie nicht im Gestell des Grossverteilers gedeihen;-) Besonders Freude habe ich jeweils am Salat und den Tomaten. Blattläuse habe ich übrigens aus einem Gemisch aus Wasser, ein paar Tropfen Alkohol und Lavendelöl weggezaubert. Und wenn die Abende kürzer aber noch warm genug sind auf dem Balkon, erfreue ich mich an unserem Sonnenglas, welches Tagsüber via Solarzelle Sonne speichert und dieses Abends via LED wieder abgibt.


Ich hoffe meine Inputs gefallen euch und motivieren euch ebenfalls Schritt für Schritt in Angriff zu nehmen.

 

"Kleine Taten, multipliziert von Millionen von Menschen, verändern die Welt"

 

Ich freue mich auf eure Feedbacks und wünsche euch gutes Gelingen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Natalie (Donnerstag, 27 Juli 2017 09:00)

    Hey, ich freu mich gerade riesig dich über instagram gefunden zu haben!
    Bei mir ist es mit der Plastikmüllvermeidung eher umgekehrt: im Bad fiel mit die Umstellung auf no waste total leicht (aber auch ich muss immer noch ein paar Produkte aufbrauchen, die ich massenweise geschenkt bekam. Warum nur verschenken die Leute ständig duschen?!) Keinen Müll in der Küche zu verursachen fällt mir leider wesentlich schwerer, da der Besuch des Wochenmarktes leider nur unregelmäßig möglich ist. Tja, der Supermarkt? Der verkauft so ziemlich alles nur in Plastikmüll. Auch das Gemüse. Und mit den "regionalen" Produkten ist es auch so eine Sache. Hier erzeugt (Norddeutschland) und ganz im Süden Deutschlands verpackt, damit es zurück in Norddeutschland als regional angepriesen werden kann!
    ... Der nächste unverpackt Laden ist 65km entfernt, "Hofläden" gibt's hier schon lange nicht mehr. Traurig aber wahr. Daher bin ich immer wieder erschüttert, wieviel Müll die Zubereitung einer einzigen Mahlzeit hervorruft.
    Aber wir geben unser bestes. :)
    Ich werde hier noch oft vorbei kommen.
    Liebe Grüße, Natalie

  • #2

    Solarhaus Tante (Freitag, 11 August 2017 18:39)

    Echt toll, das ist ein harter und schwerer Weg. Ich bin noch lange nicht dort, wo du bist, aber ich glaube, ich mache mit unserem Solarhaus wenigstens den ersten Schritt in die richtige Richtung. Es geht ja schliesslich um Nachhaltigkeit und wenn man dann nicht bereit ist, auch Investitionen dafür zu tätigen, kann es einfach nicht funktionieren.